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    Was ist GraphRAG? Der Hybrid-Ansatz für präzise AI-Antworten

    Wie GraphRAG Knowledge Graphs mit RAG verbindet, wo der Vorteil messbar ist und wo nicht.

    4 Min. Lesezeit1360 AufrufeAktualisiert: 30.7.2026

    TL;DR

    GraphRAG kombiniert Knowledge Graphs mit RAG und folgt Beziehungen, statt nur ähnliche Texte zu finden. Der Vorteil liegt beim mehrstufigen Schließen (53,4 zu 42,9 auf GraphRAG-Bench). Beim einfachen Faktenabruf liegt klassisches RAG vorn.

    Wichtigste Erkenntnisse

    Hybrid-Ansatz

    Kombiniert Graph-Traversierung mit semantischer Suche

    Enger, aber echter Vorteil

    Auf GraphRAG-Bench gewinnen Graphverfahren beim mehrstufigen Schließen, nicht beim Faktenabruf

    Kompression

    Nur der relevante Subgraph geht ans LLM statt ganzer Dokumente

    Multi-Hop Reasoning

    Kann Beziehungen über mehrere Ebenen verfolgen

    Das Problem mit klassischem RAG

    RAG (Retrieval Augmented Generation) ist der Standard um LLMs mit externem Wissen zu verbinden. Der Ablauf:

    1. Dokumente werden in Chunks zerlegt und als Vektoren gespeichert
    2. Bei einer Frage wird der semantisch ähnlichste Chunk gesucht
    3. Dieser Chunk wird als Kontext ans LLM gegeben

    Das Problem: Beziehungen gehen verloren.

    Wenn Sie fragen "Warum stockt der Deal Mozartstraße?", muss das System verstehen:

    • Deal Mozartstraße ist verbunden mit Objekt Mozartstraße
    • Objekt Mozartstraße hat einen fehlenden Energieausweis
    • Der Energieausweis fehlt seit 8 Tagen
    • Der zuständige Anbieter wurde 2x kontaktiert

    Diese Information ist über mehrere Dokumente und Datenpunkte verteilt. Vector RAG findet die Bruchstücke, führt sie aber nicht zusammen.

    GraphRAG: Der Hybrid-Ansatz

    GraphRAG löst das durch einen zweistufigen Prozess:

    Stufe 1: Entity Extraction & Graph Building

    Aus Ihren Daten werden Entitäten (Kunden, Objekte, Deals, Dokumente) und ihre Beziehungen extrahiert und in einem Knowledge Graph gespeichert.

    [Deal: Mozartstraße]
           |
           |--BETRIFFT--> [Objekt: Mozartstraße 15]
           |                        |
           |--FEHLT--> [Dokument: Energieausweis]
           |                        |
           |--KONTAKTIERT--> [Anbieter: EnergieCheck GmbH]
                                    |
                              Status: "2x kontaktiert, keine Antwort"
    

    Stufe 2: Graph-Augmented Retrieval

    Bei einer Frage passiert Folgendes:

    1. Entity Recognition: "Deal Mozartstraße" wird im Graph identifiziert
    2. Graph Traversal: Das System folgt den Beziehungen (BETRIFFT, FEHLT, KONTAKTIERT)
    3. Subgraph Extraction: Nur die relevanten Knoten und Kanten werden extrahiert
    4. Context Compression: Der Subgraph wird in kompakten Text umgewandelt, statt ganze Dokumente mitzugeben
    5. LLM Generation: Das LLM antwortet basierend auf dem komprimierten, aber vollständigen Kontext

    Was die Messungen zeigen

    An dieser Stelle stehen in vielen Texten Zahlen wie "3,4x genauer" oder "100x weniger Token". Beide halten einer Prüfung nicht stand. Belegen lässt sich Folgendes.

    Beim einfachen Faktenabruf liegt klassisches RAG vorn. GraphRAG-Bench vergleicht beide Ansätze auf denselben Aufgaben: klassisches RAG mit Reranking erreicht 60,9 Punkte Genauigkeit, das beste Graphverfahren 60,1, Microsofts GraphRAG im globalen Modus 36,9.

    Bei verketteten Fragen kehrt sich das um. Auf denselben Daten, bei Fragen die mehrere Fakten verbinden: 53,4 für das beste Graphverfahren gegen 42,9 für klassisches RAG.

    Der Effekt schwankt stark je nach Datensatz. HippoRAG hebt den Recall@5 auf 2WikiMultiHopQA von 68,2 auf 89,5, auf MuSiQue dagegen nur von 49,2 auf 52,1.

    Bei fairem Token-Budget schrumpft der Vorsprung. Graph-Verfahren holen sich pro Anfrage mehr Kontext. Gibt man klassischem RAG dasselbe Budget, steigt es auf MultiHop-RAG von 65,8 auf 71,0 Punkte und liegt damit gleichauf mit dem Graph-Verfahren (71,2). Übrig bleibt ein Vorsprung bei zeitbezogenen und vergleichenden Fragen: 43,7 gegen 49,1.

    Zum Token-Verbrauch steht die verbreitete Behauptung auf dem Kopf: Graph-Verfahren brauchen mehr Token, nicht weniger. Auf GraphRAG-Bench liegt klassisches RAG bei 879 Token pro Anfrage, Microsofts GraphRAG lokal bei 38.707 und global bei 331.375. Microsofts belegte Einsparung von 9 bis 43 gilt gegenüber der Zusammenfassung der Rohtexte, nicht gegenüber der Vektorsuche. Wer GraphRAG einsetzt, kauft Fähigkeit, nicht Ersparnis.

    Vorsicht bei Bewertungen durch ein zweites Sprachmodell. Zeng et al. ließen ein Verfahren gegen eine identische Kopie seiner selbst antreten. Das übliche Protokoll erklärte die eine Kopie mit 90 zu 10 zum Sieger. Positions- und Längeneffekte erzeugen Vorsprünge, wo keine sind.

    Microsoft bewertet die Antwortqualität über ein zweites LLM als Schiedsrichter, nicht über eine Genauigkeitsmetrik. Beim Kriterium Direktheit gewinnt Vector RAG in allen Vergleichen.

    Warum überhaupt komprimieren?

    Der Grund ist nicht nur der Preis. Die Position einer Information im Kontextfenster entscheidet mit darüber, ob das Modell sie nutzt. Liu et al. haben das gemessen: Steht die entscheidende Stelle in der Mitte eines langen Kontexts, fällt GPT-3.5-Turbo im Multi-Dokument-QA unter den Wert, den es ganz ohne Dokumente erreicht (56,1 Prozent). Ein größeres Kontextfenster behebt das nicht.

    Vector RAG: Gibt ganze Dokument-Chunks ans LLM, oft mehrere.

    GraphRAG: Gibt nur den extrahierten Subgraph ans LLM:

    Kontext für LLM:
    - Deal: Mozartstraße (Status: Stockt)
    - Grund: Energieausweis fehlt seit 8 Tagen
    - Anbieter: EnergieCheck GmbH (2x kontaktiert, keine Antwort)
    - Aktion: Alternative Anbieter verfügbar
    

    Weniger Kontext heißt hier nicht nur weniger Kosten, sondern weniger Platz, an dem eine wichtige Angabe untergehen kann.

    Multi-Hop Reasoning

    Die Killer-Fähigkeit von GraphRAG: Fragen beantworten die mehrere "Sprünge" durch den Graph erfordern:

    1-Hop: "Welche Dokumente fehlen bei Deal Mozartstraße?"

    2-Hop: "Welche Kunden haben Deals mit fehlenden Dokumenten?"

    3-Hop: "Welche Notare betreuen Deals von Kunden aus Hamburg?"

    Jeder Hop ist eine Beziehung im Graph. Vector RAG kann solche Fragen über wiederholtes Suchen ebenfalls lösen, braucht dafür aber mehrere Durchläufe und verliert dabei häufiger den Faden.

    Wann GraphRAG nutzen?

    Use CaseVector RAGGraphRAG
    Dokumenten-QA ("Was steht im Vertrag?")StarkGleichauf
    Einzelne Fakten nachschlagenStarkEher schwächer
    Beziehungsfragen ("Wer betreut wen?")SchwachKernstärke
    Aggregationen ("Wie viele Deals stocken?")UnzuverlässigNative
    Diagnose ("Warum stockt Deal X?")Rät bei LückenFolgt dem Pfad
    CRM/ERP IntegrationUmständlichNative

    Wie Osiris GraphRAG implementiert

    Osiris nutzt Neo4j als Knowledge Graph Backend und implementiert GraphRAG so:

    1. Kontinuierliche Extraktion: Daten aus PropStack/CRM werden laufend in den Graph synchronisiert
    2. Schema-Design: Immobilien-spezifische Ontologie (Objekt, Deal, Kunde, Dokument, Aktivität)
    3. Cypher Queries: Optimierte Graph-Queries für typische Fragen
    4. MCP Integration: Das LLM fragt Osiris via Model Context Protocol
    5. Context Compression: Subgraphen werden in LLM-optimierte Prompts umgewandelt

    → Osiris im Detail ansehen

    Häufig gestellte Fragen

    Brauche ich GraphRAG wenn ich nur Dokumente durchsuchen will?

    Nein, für reine Dokumenten-Suche reicht Vector RAG. GraphRAG lohnt sich wenn Sie Beziehungsfragen haben, CRM/ERP-Daten integrieren oder Diagnosen stellen wollen ('Warum stockt X?').

    Ist GraphRAG komplizierter zu implementieren?

    Ja, Schema-Design und Entity Extraction kommen dazu. Der Aufwand lohnt sich bei Fragen, die mehrere Fakten verketten, und wenn nachvollziehbar sein muss, wie eine Antwort zustande kam. Für reines Nachschlagen lohnt er sich nicht.

    Kann ich GraphRAG auch ohne Knowledge Graph nutzen?

    Theoretisch ja, mit 'flachen' Graphen aus Dokumenten (Entity-Extraction on-the-fly). Aber für Business-Daten (CRM, ERP) brauchen Sie einen persistenten Knowledge Graph für Konsistenz und Performance.

    Anwendungsfälle

    • Business Intelligence
    • CRM Integration
    • Process Diagnosis
    • Multi-Source Analytics

    Voraussetzungen

    • Grundverständnis von RAG
    • Basis Knowledge Graphs

    Aufwand

    MVP-Scope, iterativ erweiterbar

    Nächster Schritt

    Wissen wird erst im Prozess wertvoll.

    Prüfen Sie, wo Ihr größter Engpass liegt, oder vertiefen Sie die Methode in der Academy.